"Am Unternehmen arbeiten" – Der teuerste Rat, den du als Gründer befolgen kannst
Was ist passiert?
Wir haben bestimmt alle schon gelesen und gehört: "Du musst AM Unternehmen arbeiten, nicht IM Unternehmen." Das klingt smart, das klingt nach Strategie und Leadership. Also habe ich versucht, möglichst früh zu delegieren, Mitarbeiter einzustellen und mich selbst auf die "übergeordnete Ebene" zu heben. Das Ergebnis: Ich habe Geld für Arbeitskräfte ausgegeben, die meinen Job übernehmen mussten – während ich selbst an Strategien gefeilt habe, die ich mir zu dem Zeitpunkt gar nicht leisten konnte.
Was habe ich gelernt?
Dieser Ratschlag ist für DAX-Konzerne mit durchfinanzierten Strukturen gemacht – nicht für Gründer, die mit eigenem Kapital arbeiten. Wenn du kein Millionen-Investment in der Tasche hast, ist deine eigene Arbeitskraft dein wertvollstes Asset. Jede Stunde, die du selbst produktiv im Unternehmen arbeitest, ist Kapital, das du nicht für Mitarbeiter ausgeben musst. Und genau dieses Kapital brauchst du zum Wachsen, zum Vorsteuern, zum Überleben – und um überhaupt erstmal profitabel zu werden. Am Unternehmen arbeiten statt im Unternehmen – das ist der Influencer-Trick der Gründerszene. Es klingt nach Freiheit und Skalierung, aber in Wahrheit lockt es Neulinge in ein Bild von Unternehmertum, das so nur funktioniert, wenn jemand anders die Rechnung zahlt. Es macht Gründen einfacher, als es ist. Und das ist gefährlich.
Rat an andere Gründer
Am Anfang bist du das Unternehmen. Deine Hände, dein Kopf, deine Stunden – das ist dein Startkapital. Schäm dich nicht dafür, im Unternehmen zu arbeiten. Jeder Euro, den du durch deine eigene Arbeit sparst, ist ein Euro, der dich am Leben hält. "Am Unternehmen arbeiten" kommt dann, wenn du es dir leisten kannst – nicht wenn ein Business-Coach auf Instagram es dir einredet.
Kommentare (1)
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Wahre Worte. Leider wird Jungunternehmern seit vielen Jahren, eigentlich schon seit Jahrzehnten durch die "selbsternannten" Coaches ein falsches Bild vermittelt. Und dann fragt man sich, warum so viele junge Unternehmen scheitern... Vielleicht ist genau das ein Grund dafür.